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Imagefragen
Am Strand inmitten von vielen Badegästen sitzen zwei junge Männer auf einer Strohmatte, der eine im Schneidersitz. Der andere steht da, die Arme leicht ausgebreitet, die Handflächen erwartungsvoll gen Himmel gerichtet. Spielende Kinder bleiben erst irritiert stehen, spurten dann aber kichernd davon. Beide Männer tragen keine Badehose, sondern nur einen kurzen Lendenschurz. Nach andächtigen Minuten beenden die beiden ihr Innehalten und gehen getragenen Schrittes zum Wasser. In der Brandung verharren sie nochmals kurz mit geschlossenen Augen. Dann lassen sie ihren Lendenschurz in den Sand fallen und gehen langsam ins Wasser. Nicht etwa um zu schwimmen, sondern um das Element Wasser zu erfahren.
Eine ganz andere Spezies sind Nacktwanderer. Sie wollen wandern wie andere Leute auch, nur einfach blutt. Weshalb fragt man sich, gehen die nicht konsequenterweise barfuss? Gehörte das nicht zum Image eines Bluttwanderers? Einfach den Pimmel an der frischen Luft baumeln lassen und bei Harndrang nicht mehr wegtreten zu müssen, kann es ja wohl nicht gewesen sein. Das Argument des ganzkörperlichen Sonnenbrands lassen sie nicht gelten. Zumindest würde beim Nacktwandern eine Ganzkörperrötung erreicht. Auf dem sonnenverbrannten Leib würden Rucksack und dessen Riemen nicht wie bei Bikini tragenden Frauen weisse Stellen hinterlassen. Diese würden genau so rot sein, weil abgescheuert.
Haute Couture muss die Bedingungen nicht erfüllen, Blösse zu bedecken oder das bequeme Fortbewegen zu ermöglichen. Modedesigner/ innen dürfen ihrem Image gemäss, ungestraft, zum Beispiel die Motorik behindernder Klimbim oder die Hautatmung nicht mehr zulassende Plastikhüllen kreieren; getreu ihrem Motto «Eigentlich dreht sich alles um kostümierte Puppen; denen kannst du anziehen, was du willst»,
Und wer geglaubt hatte, der Trend des Schlabberlooks der 70er Jahre gehöre endgültig der Vergangenheit an, wird von der Markenklamotten tragenden Jugend eines Besseren belehrt. Mit Stoffanhäufungen, verziert mit riesigen Modelabels, bedecken männliche Jugendliche ihren adoleszenten Leib. Die Hosen mit dem Schritt bei den Knien, sind bewusst so gestaltet, dass die Hosenbeine über die unverschnürten, überdimensionierten Galoschen schwappen. Wie der Italiener sagt: Gaggasottohosen» Dass die Jugend damit dauernd auf dem Stoff herumtrampelt, stellt keine Stolpergefahr dar, da so geschnittene Hosen eh nur ein eingeschränktes Gehen ermöglichen.
Für imagebewusste, reifere weibliche Jahrgänge werden in einer alten Mühle, an schusssichere Kleidung gemahnende, wallende schwarze Röcke kreiert. Entsprechende Schlabberhosen werden auch für Männer genäht. Meist kommen die Liebhaber dieser vor allem die Figur nicht betonender Klamotten im Partnerlook daher. «Wenn ich schon meine Wülste kaschiere, ist es nichts als gerecht, wenn du deine Wampe auch hinter wallenden schwarzen Tüchern versteckst». Das ist wahres Prêt à Porter, man/frau muss bereit sein, die Bekleidung herumzutragen, beziehungsweise mit sich herumzuschleppen.
Dann gibt es noch die Kapuzenheinis. Meist in schwarz oder grau. Deren Image besteht grundsätzlich darin, möglichst oft auf den Boden zu spucken oder allzu friedlichen Veranstaltungen etwas Aktion zu verleihen und dafür zu sorgen, dass Arbeitsplätze bei der Polizei erhalten bleiben. -Was vielleicht auch mal zu würdigen wäre-.
Dann gibt es noch die Kahlgeschorenen mit Ohrring oder Tattoo. Die vielen «Performer» mit den zu kleinen Hüten, die nur den Hinterkopf bedecken. Die pinkfarbenen greisen Werbeträger auf den Rennvelos, aber das wäre dann eher eine demografische Frage.
Mit Rädern zur Natur
Wir fuhren auch diesmal wieder mit dem Wohnwagen in die Ferien. Jährlich zwei Wochen Unabhängigkeit mit Frau und Kindern, weg vom Stress, vom Ärger mit der Schule, der Parkplatzsuche, der schlechten Luft und den Nachbarn, lass ich mir nicht nehmen. «Ist das nicht ein Widerspruch?», meinte noch kurz vor unserer Wegfahrt ein nachhaltiger Nachbar, der eben im Begriffe war, seinen Kompost zu sieben. Wir würden doch mit unserer Fahrerei genau die schlechte Luft produzieren, der wir zu entfliehen…Ich ließ ihn gar nicht zu Ende reden: «Erstens ist das unser Auto, damit fahren wir so viel und so weit wir wollen und zweitens -stellen Sie sich vor - nehmen wir die Bikes mit.» Das habe er gar nicht gewusst, dass wir Fahrräder hätten. Ich erwiderte sanft: «Die werden eben nur bei Gebrauch aufs Autodach geschnallt.» Sonst stünden die Fahrräder bescheiden im Keller. Wir hätten es eben nicht nötig, das ganze Jahr, Tag für Tag, Fahrrad fahrend Umweltbewusstsein zu demonstrieren und Fussgänger auf dem Gehsteig zu attackieren. Zudem könne er von unserer Ferienreise profitieren. Durch den Gebrauch des Wohnwagens sei die Garage frei geworden, wir hätten deshalb die beiden Alltagsautos dort untergebracht. Somit stünden drei Parkfelder zwei Wochen lang zu seiner Verfügung. Darauf könne er seine Zuhause-Ferien-Aktivitäten veranstalten. Spielnachmittage für Kinder oder einen Marktstand mit Biofünfkornbrot und Sesamkuchen hinstellen.
Zwar wie man gehört und gelesen hat, soll die Luft auf dem Lande gar nicht besser sein. Im Gegenteil: Die so genannten Ozonkonzentrationen sollen dort noch schlimmer sein. In der Stadt würde sich das Ozon, das sich tagsüber gebildet habe - man höre aber staune nicht- durch die Immissionen des Straßenverkehrs reduziert. Auf dem Lande hingegen sei das Verkehrsaufkommen eben immer noch zu gering, um dieselbe Wirkung zu erzielen. Es scheint also doch so zu sein, wie ich es mir immer gedacht habe: Die Grünen sind diesbezüglich absolut faktenresistent.
Wie jedes Jahr gelangten wir nach längeren Anfahrtswegen in Gegenden unberührter Natur, wo es nicht nur ökologisch sinnvoll erschien, auf die Bikes umzusteigen. Wir erreichten zuerst, permanent 4 Wheel-Drive, abseits der Landstraße, über Wiesen, Moore und Felsen, nach längerer 30- prozentiger Steigung manche Alp, von wo wir zwischen Edelweiß, Wanderern, Gemskitz und Alpenrosen zu rassiger Mountainbike-Slalomfahrt starteten.
So zerrannen uns die schönsten Wochen des Jahres nur allzu schnell. Auf der Heimreise gerieten wir naturgemäß in einen kleineren Stau. Der serienmäßig eingebaute Kriechgang konnte zweckentsprechend eingesetzt werden. Bei längerem Stillstand bewunderten wir die Magerwiesen beidseits der Autobahn.
Zu Hause angelangt standen doch tatsächlich die Nachbarskinder neben ihren schmutzigen Alltagsfahrrädern mitten auf der Straße und glotzen uns entgegen, als wären wir Wesen von einem anderen Planeten. Die drei Parkfelder hatten sie mit farbiger Kreide derart verschmiert, dass die weißen Linien nicht mehr erkennbar waren. Der Vater stand ganz in der Nähe neben seiner Gemüse-Mischkultur und siebte seelenruhig seine Komposterde. Der Alltag hatte uns wieder.
Robidog
Fredy ging mit seinem Hund im Wald spazieren. Er liebte die Ruhe und den Duft gefällten Holzes. Heute hatte er blöderweise das rote Robidogsäcklein vergessen. Gefüllte lagen überall am Wegesrand oder unter Bäumen. Sein Hund hiess Porsche und tollte frei herum. Die meisten Hunde jagen ja gar nicht. Im Gegenteil: sie werden attackiert. Einmal schlug ihm ein Nordisch-Walker, mit dem Porsche spielen wollte, den Stock über den Kopf. Seither apportiert Porsche keinen Stecken mehr.
Hund und sein Herrchen schritten zwischen geschlagenem und aufgestapeltem Holz gemütlich voran. Weit und breit war kein Robidog und zum Glück auch kein Förster, Jogger und keine Jeep fahrende Wildhüter in Sicht, die Hündeler auf die Leinenpflicht aufmerksam machen und bei Bedarf auch mal zur Flinte greifen.
Porsche und sein Halter waren schon mehr als eine halbe Stunde in der würzigen Waldluft unterwegs und noch immer war kein Robidog in Sicht. Es war Pollenzeit und Fredy musste niesen. Er griff in seine Hosentasche, um ein Papiertaschentuch zu behändigen und da passierte es: Porsche, wie jeder Hund auch ein pawlowscher Hund, hörte das Geräusch des Plastiksäckleins, woraus Fredy das Taschentuch nahm. Der Hund dachte, aha Robidogsack, spreizte seine Hinterbeine, ging in die Hocke und schiss mitten auf den Waldweg. Im selben Moment kam ein Porsche-Cayenne gefahren. Der Fahrer stieg aus und ging schnüffelnd um sein Auto herum, kam dann mit hochrotem Kopf schimpfend auf Fredy zu: «War das Ihr Köter, der da hingeschissen hat?»
«Wo?»
«Mein Auto fuhr in Ihre Hundescheisse! »
«Ja und?», konterte Fredy, «hier wäre eh Fahrverbot. Fahren Sie doch etwas ‹off-road›, dann geht die Scheisse wieder weg!»
«Und hier wäre eigentlich Leinenzwang!» entgegnete der Porschefahrer.
«Dann wären wir also quitt!» sagte Fredy.
«Von wegen!», meinte der Cayenne-Fahrer. .
Aber Hundehalter und Porschefahrer hatten die Rechnung ohne den Hund gemacht.
Porsche, der glaubte sein Herrchen verteidigen zu müssen, kam angerannt und biss den Porsche-Cayenne-Fahrer ins Bein. Im selben Moment tauchte aus dem Unterholz ein Wildhüter auf. Fredy, der Porsche längst wieder an der Leine hatte, drückte diese dem Porschefahrer in die Hand und sagte: «Lassen Sie mich nur machen.»
Der Wildhüter kam gar nicht dazu, auf das Fahrverbot aufmerksam zu machen, schon ergriff Fredy das Wort: «Der Mann hier hatte einen Unfall. Sein Hund, der angeleint war, wollte ein Reh verfolgen, es gelang ihm jedoch das Tier zurückzuhalten. Dabei stürzte er und hat sich verletzt. Er hat dem Notfalldienst angerufen. Ich bin Arzt.
«Ist es schlimm?», wollte der Wildhüter wissen.
«Das werden wir sehen, ich fahre den Mann jetzt ins Spital», sagte Fredy.
«Dann viel Glück», meinte der Wildhüter und verschwand wieder im Unterholz.
Fredy wollte Porsche in den Kofferraum springen lassen. Der war jedoch vollgepackt mit geklautem Cheminéeholz. Also liess er ihn auf dem Hintersitz Platz nehmen. Der Porschefahrer humpelte zum Beifahrersitz und Fredy fragte: «Sind wir jetzt quitt?».
«Sozusagen», entgegnete der Porsche-Cayenne-Fahrer
Erste Hilfe
Immer wenn Bruno auf seiner Vespa von Autos bedrängt wird, wenn die hinter ihm Fahrenden bis auf einen halben Meter an sein Hinterrad auffahren, dann halsbrecherisch überholen, direkt vor seiner Nase einbiegen, um nicht mit dem entgegenkommenden Auto zu kollidieren oder Motorradfahrer mit übersetzter Geschwindigkeit auf der Gegenfahrbahn jenseits der weissen, durchgehenden Linie überholen, dann denkt Bruno, wenn der jetzt in eine Wand fährt oder über die Leitplanken in den See geschleudert wird, fahr’ ich einfach weiter, leiste keine erste Hilfe. Diese Strassenrowdys bei einer Mund zu Mund Beatmung auch noch küssen zu müssen, möchte er sich nun beim besten Willen nicht vorstellen. Doch wenn so etwas wirklich passieren würde, könnte er nicht umhin doch anzuhalten und zu helfen. Denn erste Hilfe ist Nächstenliebe und ein Akt der Solidarität mit den Strassenmitbenutzern. Als ehemaliger Sanitäter erinnert sich Bruno noch an die vier Regeln GABI: Gibt er Antwort, Atmet er, Blutet er, Ist Puls vorhanden. Bei Schock Beine hoch lagern, sonst Seitenlage, eventuell Herzmassage, bei der auch Mal eine Rippe brechen darf. Was aber, denkt Bruno, wenn ein Auto brennt und kein Feuerlöscher zur Hand ist, was wenn beim Sturz in den See der Rettungsring fehlt, weil Jugendliche mit Migrationshintergrund in Unkenntnis der Landessprache damit Freesbe gespielt haben und der Ring irgendwo auf dem Wasser treibt? Bruno also das brennende Auto mangels Feuerlöscher (hast du Minimax ZUHAUS, Feuer breitet sich nicht aus) zwischen den zertrümmerten Leitplanken in den See schiebt und der Fahrer antstatt verbrennt, ertrinkt. Oder aber ein Rettungsring vorhanden wäre, den Bruno dem ertrinkenden Töfffahrer zuwirft, ihn am Kopf trifft, das heisst der vom Rettungsring erschlagen wird und ertrinkt
Erste Hilfe ist kein Kinderspiel, das weiss nicht nur Bruno. Er kennt die Regeln, was effizientes Leben erhalten bedeutet. Er war Sanitäter in der Schweizer Armee. Somit weiss er auch was bei Katastrophen mit mehreren Verletzten zu tun ist. Triage wäre angesagt. Im Kriegsfall ist die Sache einfach. Bei vielen Leichtverletzten und zwei, drei Schwerverletzten bekämen erst die Leichtverletzten erste Hilfe, weil diese bald wieder einsatzfähig sind, um gegen den Feind zu kämpfen. Die Schwerverletzten hingegen müssten ins vaterländische Gras beissen. So siehts aus! Und bei einem zivilen Schlachtfeld? Wer bekommt da als erster erste Hilfe? Die gesellschaftlich Relevanten? Die Leistungsträger oder erst die Leistungsträgerinnen? Die Politiker und innen? Die Banker? Die Sozialarbeiterinnen? Oder gar titaniclike zuerst Frauen und Kinder? Fragen über Fragen. Die beste erste Hilfe, denkt Bruno, ist immer noch die Selbsthilfe. Die fängt bei der Gesundheit an. Sollte es trotzdem zu einem plötzlichen Herzflimmern kommen, kann Bruno und alle anderen koronar Herausgeforderten heutzutage auf seinem Handy die Standorte der Defibrillatoren abrufen. Blöd, denkt Bruno, wenn ich mich irgendwo auf dem Üetliberg oder in der Agglomeration befinde. Wichtig sind eben vor allem die Standorte wie zum Beispiel der Paradeplatz oder das Bellevue in Zürich. Nicht nur die Banken sind wichtig auch deren Angestellte und haben somit ein prioritäres Anrecht auf Reanimation. Aber auch Bruno. Sollte er bei sexuellen Handlungen im Auto einen Herzanfall machen, führt ihn das GPS sicher zum Defibrillator. Nach erfolgter Defibrillation würde er den Defibrillator zurück in das angebrachte Behältnis in der Telefonkabine legen und in empfohlener Weise zwei Minuten kräftig die Hände waschen.
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