Leseprobe
Ein Sommer
im Schwimmbad
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Die Sperlinge fliegen von Tisch zu Tisch und hüpfen von einem Brotkrümel zum andern. Das Strandbadrestaurant ist gut besetzt. Einige Leute essen. Die meisten trinken nur Kaffee oder suchen Schatten unter den riesigen Sonnenschirmen. Die Sonne scheint durch die Büsche in den Rabatten und wirft Schatten auf die Teller mit Speiseresten; abgenagte Hähnchennochen und aufgeweichte Pommes-Frites schwimmen in einer Mayonaisesosse. Ein Älteres Paar sitzt vor ihrem Kaffee. Der Mann hustet und sagt etwas zu der Frau. Sie schaut ihn an, steht auf, wischt sich die Ameisen von den Beinen und geht zum Selbstbedienungsbuffet. Endlich schönes, ja strahlendes Wetter, viele Badegäste, vor allem Mütter mit Kindern, die am Sandstrand spielen. Eine, die ihre Beine nicht rasiert, zieht den Fahrradanhänger über den Rasen zum Strand. Im Anhänger zwei Kleinkinder, die sich streiten. Lauthals versucht die Mutter, sie zu beruhigen. Ein drittes Kind fährt sie an der Hand. In den Rabatten blühn die Rosen. Einige sind schon verblüht. Die Frau kommt zurück mit Kaffeesahne und legt das kleine Plastikdöschen ihrem Gatten hin. Der sagt nichts, sondern schaut einer Blondine nach, die ihr Kind auf der Häfte trägt. Die Gattin schiebt die Kaffee-sahne mit einer hastigen Bewegung direkt unter seine Nase. Der Mann nimmt geistesabwesend das Döschen und lässt die Sahne sanft in den Kaffee fliessen. Die drei Frauen, die wie immer am selben Tisch nahe beim Wasser sitzen und quasi zum Inventar der Öffentlichen, städtischen Badeanstalt gehören, sind wie jedes Jahr, auch da. Die eine ist weit über siebzig und braun wie eine Marokkanerin. Die zwei andern haben einen Sonnenbrand, rauchen und ärgern sich über Jungen, die nicht auf dem dafür bestimmten Platz Fussball spielen. Das Wasser ist 21 Grad. Einige schwimmen weit draussen von Boje zu Boje. Auch die vielen Rentner haben ihre Stammplätze eingenommen. Einige spielen Karten, andere Schach. Wieder andere lassen die Sonne auf ihre ledrige Haut scheinen, rösten in der Sonne. Alleinstehende Frauen machen Kreuzworträtsel. Eine Oma im Jacken-Kleid beaufsichtigt Enkel, überprüft, ob noch genügend Luft in den Schwimmflügeln ist, während die Mutter ihre Längen schwimmt. Eine Frau kommt mit ihrem Kind aus dem Wasser. Die Kleine schreit. Ihre Sandburg ist zerbröselt, aufgelöst von der Brandung. Die Mutter hilft ihr beim Aufbau einer neuen. Diesmal etwas weiter von der Brandung entfernt. Ein kleiner Junge mit roter Mütze spielt mit einem roten Ball. Ein blondes Mädchen lutscht an einem Eis. Eine gut gewachsene junge Frau im Bikini geht vorbei. Die Männer schauen. Viele Frauen auch, aber anders. Ein Mann isst Pommes-Frites und "Chicken-Nuggets" aus einer gebackenen Schale; die wäre essbar. Eine Dicke wankt aus dem Wasser. Sie scheint auf Spitzen Steinen zu gehen und rudert mit den Armen in der Luft herum. Auch sie ist fast jeden Tag hier. Der Kleine mit dem roten Ball spielt nicht mehr; er ist im Schatten eingeschlafen. Das blonde Mädchen hat ihr Eis aufgegessen und setzt sich zu ihrer Schwester, die vorher schrie. Dann schöpft sie mit einer Flasche Wasser aus dem See, geht zur Sandburg und giesst das Wasser in den Burggraben. Sie geht immer wieder zum Ufer und füllt die Flasche. Die Mutter liegt jetzt im Liegestuhl. Sie schmiert sich mit Sonnencrème ein. Der Mann im Schatten hat die Pommes-Frites und "Chicken-Nuggets" aufgegessen, wirft die essbare Schale in den Abfalleimer und zündet sich eine Zigarette an. Die Rentner, beim Schachspiel, haben einen halben Rotwein geholt. Sie prosten sich zu. Eine andere Frau kommt jetzt mit einem Tablett aus dem Restaurant; darauf ein Teller. Ein Salatblatt schaut über den Rand; Salatsosse tropft über ihren Oberschenkel. Die Rosenstauden recken sich alle gegen Süden und wanken leicht im Wind. Schwarze Hilfskräfte wechseln die vollen Mülleimer gegen leere aus. Ein braungebrannter Mann liegt auf dem Bauch. Sein Rücken ist tätowiert: Ein Adler. Die Kleine mit der zerstörten Sandburg hat jetzt auch ein Eis. Jetzt schreit die Blonde. Eine etwa sechzigjährige Frau, auch oben ohne, geht an dem Tisch der drei Frauen vorbei. Missbilligend folgen ihre Blicke. Der Kleine mit der roten Mütze ist jetzt wieder aufgewacht. Der Vater albert mit ihm. Die Mutter fotografiert. Die kleine Blonde hat aufgehört zu weinen. Die andere hat ihr Eis auch aufgegessen. Der Tätowierte wählt eine Nummer auf seinem Handy. Nicht weit entfernt von ihm liegt eine junge Südamerikanerin. Sie trägt nur ein Tangahöschen. Ihr Handy schrillt. Sie nimmt es ans Ohr. Nach zwei, drei Sätzen steht sie auf und geht zum Restaurant. Die Kartenspieler schreiben ihre Gewinne auf eine Schiefertafel. Die Südameri-kanerin bringt dem Tätowierten ein Bier. Sie geht zurück an ihren Liegeplatz. Eine junge Frau mit breitem Hintern und dicken Oberschenkeln sitzt im Sand und raucht. Neben sich einen der Aschenbecher, den man ausleihen und in den Boden stecken kann. Sie schaut missbilligend auf drei Kleinkinder die eislutschend auf dem Holzsteg stehen, der zum Sprungturm führt. Dem einen tropft das Gelutschte wieder aus dem Mund und fällt auf den Holzrost. Jetzt kommt die Mutter mit einem Kaffee aus dem Restaurant und fordert die Kinder auf, sich zu ihr an den Tisch zu setzen. Das geschmolzene Eis tropft jetzt auf den Tisch. Die Mutter putzt es immer wieder mit einem Taschentuch weg. Die Frau mit dem dicken Hintern schüttelt den Kopf. Es weht eine mässige Brise. über dem Alpenpanorama von Säntis bis Glärnisch türmen sich die Cumuluswolken. Der Kleine mit der roten Kappe schreit. Er will nicht ins Wasser. Der Vater bespritzt ihn. Der Junge schreit noch mehr. Zwei Knaben sind mit einem Gummi-Krokodil im Wasser. Der Tätowierte packt seine Sachen zusammen. Er geht telefonierend zur Garderobe. Drei Dampfer kreuzen sich mitten im See. Die Frau mit den unrasierten Beinen hat ihre Frottetücher samt Nachwuchs und Fahrradanhänger grossflächig auf dem Sandstrand ausgebreitet. Das eine Kind schreit schon wieder, die Mutter schreit zurück, weil es schreit; darauf schreit die Kleine noch mehr. Immer noch die Spatzen. Kaum schiebt jemand sattgegessen den Teller etwas von sich weg, stürzen sie sich gleich im Dutzend über die Reste her. Eine Frau wechselt vom BH zum Bikinioberteil. Erst schnürt sie sich das Oberteil unter dem BH um den Bauch, mit dem Verschluss vorne, schliesst ihn und dreht dann die Körbchen nach vorne. Die schiebt sie unter den BH über den Busen, immer bemüht ihn nicht sichtbar zu machen, öffnet dann den BH-Verschluss und zieht ihn aus. Die drei Frauen weisen einen kleinen, nackten Jungen aus dem Gartenrestaurant. Ein Mann auf dem Holzsteg, der zur Seetiefe hinaus führt, hat einen prallen, riesigen Bauch, den er wie einen Fremdkörper vor sich her trägt. Hinter ihm die Silhouetten der Stadtkirchen. Er schaut traurig über seinen Bauch hinweg. Seine Beine sind ganz dünn. Ein Teenagerpärchen sitzt ungelenk halb auf dem Geländer, das am Holzsteg entlang fährt, halb lehnen sie sich daran. Der Junge der beiden dreht seinen Kopf immer wieder zur Seite und spuckt in den See. Einige Wolken haben die Sonne verdeckt. Trotzdem ist es drückend. Die drei Frauen reden laut und lachen über die dümmsten Bemerkungen. Ein Mann in Kleidern ist jetzt auch dabei. Er scheint sich nicht wohl zu fühlen, vor allem, wenn die Frauen scheppernd lachen. Der Mann und die eine Frau stehen jetzt auf und verabschieden sich. Viele Rosen sind schon verblüht. Dazwischen Lavendel, den man im Vorbeigehen riechen kann. Ein ungleiches Paar; sie fast noch ein Kind, er fünfzig, watscheln Hand in Hand durchs seichte Wasser der Brandung entlang. Der Mann hat Fettwülste, die über die Badehose schwappen. In der einen Hand hält er eine Flasche Bier. Eine ältere Frau mit blauem Schwimmgürtel steht auf dem Holzsteg und wartet den Moment ab, in dem kein Kind ins Wasser springt. Dann lässt sie sich ins Wasser plumpsen und rudert auf dem Rücken von der Treppe weg. Einige Kinder können gar nicht mehr richtig schwimmen. Sie strampeln einfach mit Armen und Beinen. Die Sonne ist nun hinter Wolken ganz verschwunden und es weht ein Lüftchen. Ein Zeppelin kurft die ganze Zeit am Himmel. Sein Motor tönt wie ein Rasenmäher. Am Flugkörper sind Reklamen angebracht. Dann zieht er gen Osten ab. Die Sonne dringt wieder durchs Gewölke und alles steht wieder in spätsommerlichem Licht. Einige die vorher ihre Bluse oder T-Shirt angezogen haben, befreien sich wieder davon. Der Bademeister steht auf dem Steg, der zum Wasser führt. Er trägt einen gelben, von der Sonne gebleichten Sonnenhut. Auf der schwimmenden, aufblasbaren Trampolininsel hüpfen Kinder, einige machen sogar Saltos. Der Bademeister bläst in die Trillerpfeife. Die Burschen haben einfach die Leiter entfernt, mittels der andere Kinder auf die Insel gelangen könnten. Ein Segelboot fährt draussen vorbei, angetrieben von einem Aussenbordmotor. Kein Wind, die Segel sind eingezogen. Zwei Frauen steigen aus dem Wasser. Die eine vielleicht 90 Jahre alt, die andere etwas jünger. Die Junge im schwarzen Badeanzug stützt die ältere im grünen. Der bekleidete Mann kommt auf sie zugelaufen; er hat Mühe beim Gehen. Die Dame mit dem schwarzen Badeanzug hat für sich und die 90-jährige Kaffee und Kuchen geholt. Wespen schwirren um sie herum; vor lauter Gefuchtel mit den Händen kommen sie kaum zum Essen. Der Mann hat eine Zeitung zusammengefaltet und macht sich einen Spass daraus, Wespen zu klatschen. Er kommt so in Rage, dass er in der Hitze des Gefechtes eine Wespe, die auf dem Kuchen der einen Dame sitzt, zerquetscht. Der Kuchen bleibt dank Zuckerguss an der Zeitung kleben. Die Frauen kreischen, der Mann flucht, schmeisst die Zeitung samt klebendem Kuchen in den Mülleimer. Jetzt kommt eine Brise auf, der See kräuselt sich erst und dann bilden sich Wellen mit kleinen Schaumkrönchen. Die Segelboote gleiten nun mit einiger Geschwindigkeit übers Wasser. Die Sonne steht jetzt schon so tief, dass es um 2 Uhr Nachmittags, wegen der grossen Bäume, schwierig wird ein Sonnenplätzchen zu finden. Am Renter-Spieltisch unterhält man sich über das Wetter der letzten Jahre. Das Alpenpanorama ist in Dunst gehüllt, was erstaunlich ist bei der Brise. Der Bademeister ist mit dem Weidling hinaus zum Trampolin gerudert und lässt an dessen Schwimmelement die Luft ab. Dicke, dunkle Wolken ziehen vom Westen her am Himmel auf. Im Wasser ist momentan kaum noch jemand. Leute die irgendwo herumsitzen oder liegen, sind halb bekleidet. Einige haben sich ins Badetuch gewickelt. Die Spatzen hüpfen nervös zwischen den Restaurattischen umher, auf der Suche nach Brotkrümeln. Die schwarzgrauen Wolken, die auf dieser Seite die Sonne verdecken, werden immer grösser. Die Badeaufsicht hat über ihr gelbes T-Shirt eine Jacke angezogen. Ein Kind kommt schlotternd und mit blauen Lippen aus dem Wasser. Die Mutter reibt es mit einem Frotteetuch trocken. Ein grosser Dampfer fährt vorbei. Eine Ente watschelt durch die Wiese." Patt" am Rentner-Schachtisch. Das junge Pärchen schmust.
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